Schriftfamilie Geometrico. Kompromisslos rund.

Geometrico
Kompromisslos rund.

#Geometrisch

#Reinterpretiert

Wie mutig und inno­v­a­tiv sind Paul Ren­ner und Herb Lubalin mit ihren Schrif­ten­twür­fen gewe­sen! Im Ver­gle­ich dazu kann man bei der heuti­gen Schweizer Schrift­de­sign-Szene eher von einer Abflachung reden. Immer wieder wer­den mehr oder weniger «akku­rate» Vari­anten der Schrift Hel­vetica «aufgewärmt». Wir schätzen diese Entwick­lung nicht und bieten hier bewusst Schriften an, die ihr nicht unbe­d­ingt unter dem Begriff «Swiss Design» erwarten würdet.

Zum 90-Jahr-Jubiläum der «Futura» wurde Geometrico ent­wor­fen: eine neue Inter­pre­ta­tion des Bauhaus-Klas­sik­ers und eine Hom­mage an Paul Ren­ner. «Wie viele Kreise­le­mente verträgt eine Schrift?», fragte sich der Schweizer Schrift­de­signer. Bei der Futura waren es bei den Gemeinen schon 13, bei der neuen Schrift­fam­i­lie Geometrico sind es bere­its 15. Lei­det die Les­barkeit darunter?

Beyond Type: Gedanken zu Typografie, Design und unserer Philosophie

Was bleibt von der Kalligraphie im digitalen Zeitalter? Eine Erinnerung an Katharine Wolff

Der Tod von Katharine Wolff hat viele von uns tief berührt. Sie war Lehrerin im CAS Type Design, deren Begeis­terung für Kalligra­phie stets spür­bar war. Als Amerikanerin brachte sie eine beson­dere Fasz­i­na­tion für his­torische Schriftvor­bilder mit.

Im Unter­richt spielte Kalligra­phie eine zen­trale Rolle. Die Arbeit mit Feder und Tinte war für sie kein vor­bere­i­t­en­der Umweg, son­dern der Kern des Ler­nens. Ihr ging es darum, his­torische For­men möglichst genau zu ver­ste­hen und ihnen treu zu bleiben. Die Übun­gen waren präzise, anspruchsvoll und von grossem Respekt gegenüber den Vor­bildern geprägt.


«Precision is not nostalgia.»

Ihre Fasz­i­na­tion für alte Manuskripte, für Pro­por­tio­nen und Bewe­gungsabläufe war ansteck­end. Geschichte war für sie kein loses Ref­erenz­ma­te­r­ial, son­dern ein Massstab.


«History is a tool, not a destination.»

Am Ende blieb zwis­chen uns den­noch eine grundle­gende Dif­ferenz. Während für Katharine die Nähe zu den his­torischen Vor­bildern kaum gross genug sein kon­nte, war ich der Auf­fas­sung, dass Schriften stärker aus den Anforderun­gen der Gegen­wart her­aus gedacht wer­den müssen. Und das ist wichtig. Kalligra­phie kann dabei eine Inspi­ra­tionsquelle sein, sie muss es aber nicht. Ger­ade diese nicht ganz auflös­bare Span­nung habe ich stets als bere­ich­ernd emp­fun­den.

Ein konkretes Beispiel dafür ist die Schrift­fam­i­lie Mimix, die im CAS Type Design im Prozess und im Dia­log mit Katharine Wolff ent­standen ist. Aus­gangspunkt war eine klas­sizis­tis­che Kur­sive. Der Entwurf zeigt einen mod­u­laren Auf­bau, sich wieder­holende Ele­mente, Ord­nung und Rhyth­mus. Eigen­schaften, die weniger aus his­torischer Treue als aus sys­tem­a­tis­chem Denken entste­hen und die Schrift in der Gegen­wart ver­ankern.

Weit­ere Gedanken über Typografie und Design:

Was, wenn Lesbarkeit nicht das oberste Ziel der Typografie ist?

Manch­mal wun­dern wir uns, ob Les­barkeit wirk­lich das ist, worum sich alles drehen muss… Es erstaunt uns immer wieder, wie uner­müdlich in Fachkreisen über «Les­barkeit» debat­tiert wird. Diese Fix­ierung lässt uns regelmäs­sig befremdet zurück. Wir wür­den – in Anlehnung an Erik Spiek­er­mann – eher sagen: «Die Unter­schiede in der Les­barkeit zwis­chen den gängig­sten Schriften sind min­i­mal» – der Rest wirkt wie typografis­ches Weis­s­rauschen.

Wie lässt sich mit Schriften Geld sparen?

Manch­mal habe ich das Gefühl, dass viele Unternehmen unter­schätzen, wie viel eine einzige gut gewählte Schrift leis­ten kann… Wir stossen immer wieder auf dieselbe, fast kon­train­tu­itive Erken­nt­nis: Eine kom­merzielle Schrift gehört zu den gün­stig­sten und zugle­ich wirkungsvoll­sten Mit­teln, um ein eigen­ständi­ges Cor­po­rate Design zu entwick­eln. Denn damit entste­hen gle­ich zwei zen­trale Pfeiler eines visuellen Sys­tems: gestal­ter­ische Eigen­ständigkeit der Marke durch eine kon­sis­tente Schrift­fam­i­lie – und ein Logo-Design, das sich unmit­tel­bar aus deren For­men ableitet.

Welche Schriftart ist am besten für die Lesbarkeit?

Manch­mal frage ich mich, ob es über­haupt sin­nvoll ist, nach der einen «  besten» Schrift für die Les­barkeit zu suchen. In Fachkreisen wird zwar gern über «bessere» oder «schlechtere» Les­barkeit disku­tiert, aber ohne vernün­ftige empirische Basis bleibt vieles eher Behaup­tung als Erken­nt­nis. Seri­oese Unter­suchun­gen? Fehlanzeige. Und zwis­chen den gängi­gen Stan­dard­schriften – beson­ders den ser­ifen­losen – sind die Unter­schiede im prak­tis­chen Lesekom­fort ohne­hin min­i­mal.

Wo kann ich schöne Schriftarten finden?

Es gibt unzäh­lige Schrif­tar­te­nange­bote im Inter­net – von hochw­er­ti­gen bis hin zu eher frag­würdi­gen. Wir raten generell davon ab, kosten­lose Schriften zu ver­wen­den, da die Gefahr besteht, dass sie auch von unzäh­li­gen anderen genutzt wer­den – vielle­icht sogar von der Kebabladen um die Ecke – was das Image einer Marke schädi­gen kann.

Wie vermeide ich eine «Bleiwüste»?

Wird wirk­lich immer ein Bild benötigt, um Span­nung aufzubauen? Immer wieder drängt sich diese Frage auf, wenn ein sauber geset­zter Textblock vorschnell als «zu dicht» gilt – als ob typografis­che Gestal­tung ohne visuelle Req­ui­siten nicht existieren kön­nte. Dabei entsteht visuelle Ent­las­tung keineswegs nur durch Deko­ra­tion, son­dern vor allem durch einen präzisen Umgang mit Weis­s­raum, Kon­trastver­hält­nis­sen und geziel­ter Asym­me­trie im Gestal­tungsraster.